Nur im Team lassen sich Schäfer und Hütehunde ersetzen: Bundesligavolleyballerinnen führen beim Teambuilding 600 Schafe

von Maike Schramm

Foto: Lisa Derendorf

Sich innerhalb von fünf Jahren aus der Regionalliga, mit Beinahe-Abstieg, bis in die 2. Bundesliga zu spielen – das schaffen nicht viele Teams. Für die die Bizepsvolleys der SSF Fortuna steht fest: ihr großes Ziel, den Bundesligaplatz zu verteidigen, können sie nur erreichen, wenn sie als Team noch besser zusammenwachsen. In kaum einer Teamsportart sind die Spielerinnen so aufeinander angewiesen wie beim Volleyball. Top Leistungen werden erst durch Top Teamspirit möglich und daran haben die SSF Fortuna Mädels auch in diesem Jahr weiter gefeilt.

So ging es samt Trainerstab in den Westerwald zum Teambuilding. Manager Albert Klein hatte das Geheimnis, welche Prüfungen auf das Team warten, sorgfältig gehütet. Die Ansage lautete: festes Schuhwerk, keine grellen Accessoires und wetterfeste Kleidung für eine Tageswanderung. Gespannt und erwartungsfreudig stiegen die Spielerinnen also am Samstag in Neustadt/ Wied aus ihrem Bus. Frische Landluft wehte ihnen um die Nase. Hanspeter Etzold (Hape) begrüßte das Team als Veranstalter und führte es in den benachbarten Stall, aus dem lautes Mähen erklang. Die Freude über die zahlreichen Schafe war groß und wurde noch größer, als jede Spielerin einmal ein Lämmchen halten durfte, das ihnen Schäfer Timm vorsichtig in den Arm legte.
„Gleich geht’s los, wir fahren noch circa fünf Minuten zum Startpunkt“, hieß es nach diesem tierischen Empfang. Noch immer hatten die Bizeps Mädels keine Idee, was sie erwarten könnte. Das änderte sich wenige Minuten später, als sie gemeinsam mit Hape neben grasenden Schafen auf der Weide standen.
„Heute ersetzt ihr Schäfer Timm und seine Hütehunde und führt die 600 Schafe von hier bis zur Ziel-Weide“, verkündete Hape. Die Überraschung stand der Mannschaft ins Gesicht geschrieben. Vorab wurde viel spekuliert, doch mit einer solchen Aufgabe hatte niemand gerechnet. Hape arbeitet mit Schäfern in ganz Deutschland zusammen und hat mit seinem Projekt deutschlandweit ein Alleinstellungsmerkmal. Er begleitet zahlreiche Teams, insbesondere aus Unternehmen. „Hier erkennt man schnell, dass sich die Chefs schwertun können im Team zu arbeiten, denn die Schafe bemerken jede Unstimmigkeit in der Gruppe sofort und büxen aus“, so Hape, der froh ist, Menschen mit Teambuilding inmitten der Natur zu unterstützen.

Das Teambuilding der Bizeps Volleys begann mit der ersten Aufgabe: die Herde zusammentreiben. Hier ließ Hape den Damen gemeinsam mit ihrem Headcoach Sven Anton und Co-Trainer Frank Görlach die freie Führung, um sich mit der Situation zu arrangieren, das Wesen der Tiere besser kennenzulernen und eine Taktik auszutüfteln, in der jede und jeder eine Rolle zugeteilt bekommt. Dass die Natur ihre eigenen Schauspiele hatte, zeigte zuallererst die Geburt eines Lämmchens, die das Team live miterlebte. Schäfer Timm überließ es der Mannschaft, einen Namen für das Neugeborene auszuwählen und so hört es künftig auf den Namen Theo. Anschließend startete das Bizeps Team mit der ersten Challenge und erstaunlich schnell stand die Schafherde in Reih und Glied am Gatter. Schäfer Timm beobachtete das Schauspiel aus der Ferne mit seinen Hunden, die sichtlich nervös waren, ihre Herde dem Team vom Rhein zu überlassen. In der anschließenden Feedback-Runde gab es Tipps von Hape für die folgenden Herausforderungen. „Ihr müsst die Flanken zu machen, die Führungsschafe der Herde finden und selbstbewusst auftreten. Als Fluchttiere haben Schafe einen siebten Sinn, sie lesen eure Haltung. Sie wissen ganz genau, ob jemand entschlossen ist oder nur so tut.“

Unter Führung von Annika, die von Hape und Timm letzte Instruktionen erhielt, um ihr Team einzuweisen, sollte die Herde nun auf einem schmalen Waldweg zur nächsten Weide geführt werden. Und tatsächlich gelang es den Schafen kurz vor Ankunft im Wald eine Lücke im Team der Bizeps Hüterinnen zu finden und blitzschnell im Wald zu verschwinden. Annika gab schnell Anweisungen und mit viel Mühe, gelang es, die Schafe auf den rechten Weg zurückzuführen. Bei der Reflexion wurde noch einmal angesprochen, welche Haltung es zu zeigen gilt und wie die Kommunikation inmitten von mehreren Dutzend Schafen ablaufen sollte.

Auch Schäfer Timm sorgte mit seinen Beobachtungen noch einmal für Motivation innerhalb des Teams: „Man erkennt bei euch, dass ihr jemanden braucht, der Verantwortung übernimmt und die ganze Mannschaft mitzieht. Ihr seid sportlich, also bewegt euch mehr und zeigt den Schafen geschlossen, wo es hingehen soll. Hier zählt selbstbewusste Haltung, kombiniert mit Teamgeist!“ Volltreffer, denn genau das ist es, woran das Bizeps Team vor der Saison arbeiten wollten, um sich in der Bundesliga weiterhin zu etablieren.

Der erste Versuch unter Leitung von Mannschaftsführerin Lena, die Herde nun geordnet über die Landstraße zu führen, misslang. Die Herde brach aus und genoss das Gras auf einer angrenzenden privaten Weide. Dafür müsste Schäfer Timm, wenn es bemerkt würde, Strafe zahlen und so setzte er zur Unterstützung des Teams seinen Hütehund ein, der schnell für Ordnung sorgte und die Herde zusammentrieb. Merke: ein guter Hütehund ersetzt zehn Schäfer*innen. Mit noch mehr Aufmerksamkeit und deutlicherer Körpersprache unternahm das Team einen 2. Versuch. Zwei Spielerinnen stoppen den Verkehr, die übrigen folgten den klaren Hinweisen von Lena, führten, trieben, schlossen auf und waren immer zur Stelle, wenn ein Ausbruch drohte. Der Stolz über die Bewältigung dieser Situation war den Bonnerinnen ins Gesicht geschrieben und Hape fand anerkennende Worte: „Hier hattet ihr eine gute Taktik und jedes Rädchen hat ins andere gegriffen. Genau darauf kommt es an“.

Auf dem weiteren Weg wurde die Führung Trainer Sven Anton übergeben, der mit seinem Team die Schafe sicher zur letzten Weide leitete.

Im gemütlichen Beisammensein am Grill zwischen Strohballen resümierten Hape und die Bizeps Mädels die besonderen Erfahrungen, wie es sich anfühlt, in einer sehr verantwortungsvollen Position das Team zu führen, Kommandos zu geben und auch mal laut zu korrigieren, um die Herde sicher zusammenzuhalten. Merke: Schafe haben einen Dickkopf und auf die Führung von gleich 600 Schafen durften die Bizeps Volleys zurecht stolz sein. Zum Abschluss des Teambuildings stand für die Bizeps Volleys dann auch fest: Teamgeist und Durchsetzungskraft sollen sie in ihrer zweiten Bundesligasaison auszeichnen.

Carlotta Hensel

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